Evangelische Kirche Oberensingen

Stuttgarter Straße 64, 72622 Nürtingen

Einblick in die Geschichte der Oberensinger Kirche

18. Mai 1435          
Einweihung der „Capella Oberensingensis“, eine Friedhofskapelle außerhalb des Dorfes, welche mit der heutigen Kirche identisch ist. In dieser Kapelle stand ein Altar, der zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria („Beatae Mariae Virginis“) und verschiedener anderer Heiliger geweiht war. Vermutlich trägt die Kirche seither das Patrozinium (Schutzheilige) der „Jungfrau Maria“.

Im Jahr 1578
stellten Oberensingen, Zizishausen und Hardt einen Antrag auf Errichtung einer eigenen Pfarrstelle in Oberensingen. Sie begründeten ihren Wunsch mit den zunehmenden Einwohnerzahlen in ihren Dörfern und dem weiten Weg zum „Gotteshus in Nürting“. Die Kirchenleitung lehnte dieses Gesuch zwar ab, verfügte aber, dass an Sonn- und Feiertagen in Oberensingen regelmäßige Gottesdienste abgehalten werden müssen (1579). Diese Aufgabe fiel dem zweiten Stadtpfarrer zu (damals „Diakon“ genannt). Wörtlich: „Dem Diacono ist vermög fürstlichen befehls unter dato 18. Februarii anno fünfzehnhundert siebzig Neuner uffgegeben, den Flecken Oberensingen mit predigten göttlichen Wortts und anderen pfarrlichen Rechten zu versehen.“

1624,
also während des Dreißigjährigen Kriegs, wurde der Kirchturm gebaut. Der Architekt war kein Geringerer, als der Herzoglich-Württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt. Der Kirchturm wurde auf der Nordseite der Kirche bzw. Kapelle praktisch auf dem Dachstuhl aufgesetzt. Zur Stabilisierung dienten zwei (heute noch vorhandene) Holzsäulen, die durch Steinplatten im Kircheninneren abgestützt wurden. Da die Fundamente der Säulen nicht ausreichend stabil waren und bei Hochwasser häufig unterspült wurden, geriet der Kirchturm in der Folgezeit des öfteren in eine bedenkliche Schieflage. Er musste unzählige Male repariert und wieder in die Senkrechte gestellt werden. Bei der Renovierung im Jahr 1984 wurde er zum ersten Mal, durch den Einbau     von Eisenbeton-Verstrebungen, fachmännisch stabilisiert.

1673
wurde, zur Schaffung neuer Sitzgelegenheiten, eine Empore eingebaut („Borkirche“ genannt, auf dem Standort der heutigen Empore), deren Zugang über eine Außentreppe erfolgte. Der Einbau dieser Empore in der relativ niedrigen Kirche machte weitere Baumaßnahmen erforderlich: Die Höherlegung der bisherigen Holzdecke. Aus diesem Grunde wurde die damalige Holzdecke herausgenommen und ein Gewölbe aus „Dachbügen, Sparren und Zangenhölzern“ eingebaut.

Der 20. Dezember 1723
gilt als der eigentliche „Geburtstag“ der Kirchengemeinde Oberensingen. An diesem Tag unterzeichnete Herzog Eberhard Ludwig die Urkunde zur Errichtung der Pfarrei Oberensingen mit den beiden Filialen Zizishausen und Hardt. Oberensingen wurde zum „Mutterort“ der neuen Pfarrei bestimmt. Die Pfarrei bedeutete jedoch eine finanzielle Belastung für die Stadt. Die Stadtväter waren sich im Klaren darüber, dass das Vorhaben vollständig zu Lasten der Stadt bzw. des Spitals gehen würde. Eine finanzielle Unterstützung war weder von den drei Filialen noch von Seiten der Herzoglichen Regierung zu erwarten. Die Gemeinden Oberensingen und Zizishausen (Hardt war eine Ausnahme) galten als ausgesprochen arme Gemeinden, die niemals in der Lage sein würden, einen Pfarrer unterhalten zu können, geschweige denn, ein geeignetes Haus für ein Pfarrhaus zu kaufen.

-Fortsetzung folgt-

Quelle: Festschrift zu, 275-jähhrigen Bestehen der selbständigen Pfarrei Oberensingen