Sterbende begleiten

Sie müssen Abschied nehmen von einem lieben Menschen?

Ein schwerer Schritt. Vielleicht denken Sie: "Das schaffe ich nie!"

Das ist verständlich, so geht es nicht nur Ihnen. Dennoch werden Sie (u. U. erst im Rückblick) feststellen, dass Sie in dieser Zeit nicht nur Gebende sind, sondern auch Kraft bekommen.

Sie müssen von sich nicht verlangen, stärker zu sein, als Sie sind. Nehmen Sie sich Zeit für die sterbende Person, für sich selbst. Vieles, was zuvor noch ganz dringend schien, lässt sich verschieben, wenn es um Leben und Tod geht.

Bleiben Sie offen für die Signale und kleinen Zeichen der sterbenden Person und weichen Sie einem Gespräch über den Abschied nicht aus, wenn Sie spüren, dass die oder der Sterbende es wünscht. Vielleicht ist dies noch eine Möglichkeit, Schwierigkeiten zu klären oder einander zu sagen, was man einander bedeutet. Angehörige, die wissen, wie sich die Verstorbene/der Verstorbene die Trauerfeier und die Bestattung gewünscht hat, erleben dies als große Hilfe, wenn es dann so weit ist.

Wenn das Sterben ein längerer Prozess ist, fehlen den Begleitenden oft die Worte. Eine Hilfe sind dann Worte und Texte aus der Bibel, etwa die Psalmen, oder Lieder und Gebete aus dem Gesangbuch. Im "Evangelischen Gesangbuch" finden Sie viele geeignete Texte zum Vorlesen, Singen oder Beten. Die Ausgabe für unsere württembergische Landeskirche bietet Ihnen ab Seite 1475 (Nummer 828) Hinweise und Gebete für die Sterbebegleitung. (Denken Sie bitte daran, dass sich diese Hinweise auf das "neue" Gesangbuch beziehen, das seit gut 10 Jahren in Gebrauch ist).

Gern dürfen Sie auch mich als Pfarrerin anrufen und um Begleitung bitten.

Wenn Sie es wünschen, feiern wir mit Ihnen zu Hause (oder im Krankenhaus) Abendmahl. Diese Feier ermöglicht, Gott und einander um Vergebung zu bitten, Zuspruch und Segen handgreiflich zu erfahren und auf ein Loslassen in Frieden einzustimmen.

Eine weitere Möglichkeit ist eine kurze Andacht am Sterbebett, bei der dem oder der Sterbenden der Sterbesegen erteilt wird. Sie können diese Andacht selbst gestalten (etwa mit dem Gesangbuch) oder im Pfarramt anrufen, damit wir sie für Sie gestalten.

Ist die Person verstorben muss nicht sofort der Bestatter tätig werden. Nehmen Sie sich Zeit, sich zu verabschieden und auch zu verarbeiten, dass dieser ganz besondere Mensch nun nicht mehr am Leben ist. Eine Hilfe dabei ist die sogenannte "Aussegnung" am Totenbett (zu Hause oder im Krankenhaus). Auch die Aussegnung ist eine kleine Andacht, die Raum gibt, die verstorbene Person loszulassen und Gott anzuvertrauen. Gestalten Sie die Aussegnung so, wie es für Sie (und die, die die verstorbene Person begleitet haben) "stimmt" oder rufen Sie uns an, damit wir Ihnen beistehen.

Kleine Gesten können in dieser Situation sehr hilfreich sein:

  • Wenn der Arzt nicht widerspricht, betten Sie die verstorbene Person "würdig". Legen Sie sie im Bett zurecht, streichen Sie die Decke glatt. Wenn es Ihnen danach ist, können Sie der Person die Hände falten und vielleicht auch eine Blume in die Hände legen.
  • Feuchte Wattebäusche auf den Augenlidern helfen, die Augen des/der Verstorbenen zu schließen.
  • Öffnen Sie ein Fenster, lassen Sie frische Luft herein, atmen Sie durch. Früher glaubte man, durch das Öffnen des Fensters der Seele den Weg in den Himmel zu ermöglichen.
  • Hören Sie in sich hinein: Brauchen Sie jetzt Licht und Helligkeit? Oder ist es Ihnen nach Dämmerung? Verändern Sie die Beleuchtung, bis sie "stimmt".
  • Zünden Sie eine Kerze an (im Krankenhaus bitte zuerst fragen, ob es möglich ist).
  • Nehmen Sie sich Zeit, dem Lebensabschnitt nachzuspüren, der mit diesem Tod zu Ende gegangen ist.
  • Sprechen Sie mit Ihrem/Ihrer Verstorbenen, sagen Sie ihm/ihr, was Sie bewegt.
  • Lassen Sie die Erinnerungen zu, die jetzt in Ihnen aufsteigen. In dieser Situation sind Lachen und Weinen oft dicht beieinander.  
  • Wenn Sie mehrere Personen sind, teilen Sie, wenn Sie mögen, einander Ihre Gedanken, Gefühle und Erinnerungen mit.
  • Psalmen oder Lieder aus dem Gesangbuch helfen Ihnen, wenn die eigenen Worte zum Beten fehlen.
  • Bilden Sie zum Abschluss einen Kreis um das Bett der verstorbenen Person und fassen Sie sich an den Händen. Vielleicht können Sie einander noch ein Segenswort oder einen guten Wunsch mitgeben.