Konfirmationsunterricht

Was lernen Konfirmandinnen und Konfirmanden heute?

Was alle evangelischen Christen wissen müssen, damit sie über ihren Glauben Auskunft geben können, hat schon Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus für die Schule zusammengestellt. Für Württemberg hat der Reformator Johannes Brenz 1535 eine eigene Überarbeitung herausgegeben. 1696 ging daraus der Württembergische Katechismus hervor.

Viele viele Generationen von Konfirmandinnen und Konfirmanden mussten ihn mit seinen biblischen Texten, den Fragen und Antworten auswendig lernen und an der Konfirmation vortragen.

Im Katechismus geht es um den Glauben, die Taufe, das Vaterunser, die zehn Gebote, das Abendmahl und das Predigtamt.

Diese Themen prägen nach wie vor den Konfirmandenunterricht. Immer noch geht es darum, was es bedeutet, zu glauben und Christ-Sein zu leben, um die Sakramente Taufe und Abendmahl und um Erfahrungen mit dem Gottesdienst.

Allerdings haben sich die Formen geändert. An die Stelle des Auswendiglernens ist das Gespräch getreten. Wichtige Impulse kommen von den Eltern, die die ersten Stunden des Konfirmandenunterrichts in kleinen Gruppen gestalten. Texte und Bilder der Konfirmandenmappe regen zum eigenen Nachdenken und Diskutieren an.

Die Verpflichtung zum Gottesdienstbesuch macht den Jugendlichen erlebbar, dass es in jedem Gottesdienst Teile gibt, die sich wiederholen (Psalmgebet, Vaterunser usw.) und Teile, die immer wieder neu gestaltet werden.

Damit sie sich schnell zurechtfinden, gibt es gleich zu Beginn des Unterrichts den Gesangbuch-führerschein“ (was finde ich wo).

Eine große Rolle spielt die Beschäftigung mit biblischen Texten. Dazu schenkt die Kirchengemeinde allen eine eigene Bibel. Aus ihr wählen sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden auch ihren persönlichen Konfirmationsspruch aus. Er wird sie ihr Leben lang begleiten.

Für den Konfirmationsgottesdienst wählt jede Gruppe frei ihr eigenes Thema.

In diesem Jahr hatte sich die Hardter Gruppe für „Gerechtigkeit - Ungerechtigkeit“ entschieden, die erste Oberensinger Gruppe für „Freundschaft“ und die zweite Oberensinger Gruppe für „Mobbing - Diskriminierung - Rassismus“.

Auch wenn die Themen auf den ersten Blick wenig mit Kirche und Bibel zu tun haben, ist es doch die Aufgabe der Konfirmandinnen und Konfirmanden herauszufinden, was ihr jeweiliges Thema mit Glaube zu tun hat und was die Bibel dazu sagt.

Wir überlegen uns gemeinsam, welche Fragestellungen bei dem Thema der Gruppe wichtig sind, dann verteilen wir, wer sich damit beschäftigt. Geforscht wird in Interviews, Gesprächen oder im Internet, in Büchern und in Zeitschriften. Die Ergebnisse werden zusammengestellt, von mir überarbeitet und dann im Konfirmationsgottesdienst präsentiert. Neben Texten können dies auch Bilder, ein Anspiel oder sogar ein Video sein.

Sie wählen Lieder aus, die zum Thema passen, stellen das Liedheft zusammen und schreiben die Gebete für den Gottesdienst selbst.

Wenn sie wollen, dürfen sie auch die Predigt übernehmen. Die wird dann in Gesprächen gründlich vorbereitet und ermöglicht ganz neue Entdeckungen, etwa wie viel Zeit dafür notwendig ist: „Und Sie machen so was jeden Sonntag?“

Auswendiglernen müssen sie nicht mehr viel: das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und die Einsetzungsworte des Abendmahls, ohne Erklärungen.

Die wochenlange Erarbeitung ihres eigenen Gottesdienstes verlangt ihnen eine intensive Beschäftigung mit ihrem Thema ab. Und wenn dann so weit ist, sind sie, wie alle Generationen vor ihnen, sehr aufgeregt. Aber wenn es gelingt (und das tut es), sind sie zu Recht ein bisschen stolz auf sich und das, was sie geleistet haben. Mir ist diese Bestärkung lieber als das Zittern vor dem blamablen „Steckenbleiben“.

Mit dem Lernen, was „Christ-Sein“ bedeutet, sind sie mit der Konfirmation sowieso noch längst nicht fertig. Das ist und bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vinçon